(c) by Wolfgang Goltz    
           
    06.02.2012      
           
    Liebes Tagebuch,

ich kann das immer noch nicht glauben, was ich da gestern gelesen habe, aber es scheint zu stimmen. Da hat doch so ein Künstler namens Cèzannes zwei Leute beim Kartenspielen gemalt und nun wurde dieses Bild als teuerstes Gemälde der Welt für 190 Millionen Euro (in Worten: EINHUNDERTNEUNZIGMILLIONEN) verkauft.

   
           
       
           
    Was dieser Cèzannes kann, kann Lieschen von Schneverdingen ja wohl schon lange! Gestern Abend ist mein erstes Kunstwerk fertig geworden. Ich nenne es „Die hungrige Frau“.    
           
       
           
    Ich habe noch die halbe Nacht weiter gemalt und das zweite Bild ging mir dann auch schon viel flotter von der Hand, es heißt „Der Raucher“.    
         
       
           
    Schlichte Alltagssituationen, wie sie der Cèzannes gemalt hat, finde ich in unserem Verein ja nun wirklich in Hülle und Fülle. Ich werde ihn nachher mal anrufen und fragen, wo er denn seine Schinken immer verhökert. Mein drittes Werk ist zwar noch nicht ganz fertig, aber bis zum Frühstück schaff ich das noch. Es soll „Die jungen Liebenden“ heißen!    
           
       
           
    Und was ich mit dem ganzen Geld für meine Bilder anfangen werde, weiß ich auch schon. Ich werde unserer 1. Vorsitzenden Tante Beate den Holzmichel, diesen Michael Penners, zum Geburtstag schenken. Das ist dieser Typ, der mal Mister Nordrhein Westfalen oder so was war und der jetzt bei RTL den Leuten immer ihre vergammelten Gärten wieder ganz prima herrichtet.    
           
       
           
    Da hat Tante Beate dann nicht nur was fürs Auge, sie muss sich auch endlich keine Sorgen mehr um einen Platzwart für unseren Verein machen. Ist das nicht eine tolle Idee von mir?

Deine Lisa

   
           
           
           
    05.02.2012      
           
    Liebes Tagebuch,

nun hat der Winter uns doch noch eiskalt erwischt. Aus diesem Grunde war auch gestern das offizielle Training bei uns abgesagt. Weil Papi und mir aber ja nicht mehr viel Zeit bis zur Begleithundeprüfung bleibt, haben wir dann doch noch ein wenig mit Onkel Timo trainiert. Dabei wollte Papi erst gar nicht mehr aus dem warmen Vereinsheim herauskommen.

   
           
       
           
    Ich war allerdings ganz froh, aus unserem Auto herauszukommen, wo wir Hunde ja immer auf unser Training warten müssen, denn irgend etwas hatte mein Papi wohl wieder mal vergessen, es wurde nämlich absolut nicht warm in unserem Wagen!    
           
       
           
    Papi und ich hatten dann allerdings längst unsere Übungen zu Onkel Timos vollster Zufriedenheit absolviert, als plötzlich Papa Micha auch noch einmal mit mir auf den Platz ging und dort dann ziemlich konfuses Training mit mir absolvierte. Arco traute seinen Augen kaum, als er das sah.    
           
       
           
    Ich schätze, Papa Micha wollte wohl nur mal mit einem Top-trainierten Hund auf den Platz, aber Onkel Timo hat ihm das dann streng untersagt, besonders bei diesem Wetter! Ich bin nur froh, dass der Winter nun bald vorbei ist.    
           
       
           
    Immerhin habe ich schon die ersten Rehe auf den Wiesen gesehen und das ist doch ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Frühling da ist, so heißt es doch jedenfalls immer! Lange kann es jetzt jedenfalls nicht mehr dauern!

Deine Lisa

   
           
           
           
    04.02.2012      
           
    Liebes Tagebuch,

ich bin ja noch sooooo müde, denn gestern ist es mal wieder reichlich spät geworden. Wir hatten nämlich die Jahreshauptversammlung unseres Hundevereins und da standen einige wichtige Wahlen an.

Ich will nur kurz berichten:

Prinzessin des Vereins bin ich ja schon, aber gestern wurde dann auch noch eine Ehrenvorsitzende auf Lebenszeit gewählt. Gewählt wurde mit 110 % aller Stimmen: LISA.

   
           
       
           
    Aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen bei der Repräsentation wurde zur besten Prinzessin eines Hundevereins gewählt mit 76 von 58 Stimmen: LISA.    
           
       
           
    Darüber hinaus wurde einstimmig beschlossen, dass der Verein für meinen Baily-Schatz und mich im Juli eine große Hochzeitsfeier ausrichten wird, das Fernsehen soll auch kommen und Tante Simone wird meine Brautjungfer!    
           
       
           
    Also, ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie kommt mir das alles ein wenig verdächtig vor. Sollte ich das Ganze etwa wieder mal nur geträumt haben?

Deine Lisa

   
           
           
           
    03.02.2012      
           
    Liebes Tagebuch,

seit einigen Monaten machen Papi und ich nun schon jeden Tag zusammen unsere Runde hier durch den Wald, das hab ich dir ja schon mehrfach erzählt. Seit ein paar Wochen nimmt Papi jetzt immer noch das Wurfteil mit, in das man vorne einen Tennisball einspannt und ich muss dann immer den Ball zurückholen, den Papi geworfen hat.

   
           
       
           
    Dabei passiert es leider immer wieder mal, dass dieser blöde Tennisball dann nicht mehr auffindbar ist. Besonders diese Tage liegt ja noch Schnee im Wald und da ist das blöde Teil manchmal einfach weg. Ich bin dann immer richtig traurig, denn dann können Papi und ich natürlich nicht mehr weiterspielen und ständig neue Bälle zu kaufen, kann sich selbst eine Prinzessin nicht leisten!    
           
       
           
    Als wir jedoch gestern an dem kleinen Spielplatz in unserem Wald ankamen, da traute ich kaum meinen Augen. Da hat doch mein Supersüßerlieblingspapi irgendwann ganz heimlich einen Tennisball-Baum dort gepflanzt und gestern hat der die ersten Früchte getragen!    
           
       
           
    Die Bälle wachsen dort in so kleinen grünen Netzen, das sind sicher die Kokons und sie riechen ein bisschen so, wie das Futter von unserem Rocko, aber das ist ja völlig egal! Endlich haben wir immer genug Bälle zum Spielen und wenn mal einer verloren geht, pflückt man sich einfach einen neuen, genial!    
           
       
           
    Auf solch tolle Ideen kann auch nur mein Papi kommen. Aber jetzt muss ich schnell mal nach draußen gucken. Ich habe Papi nämlich erlaubt, mit meinem Wagen unsere Straße ein wenig frei zu räumen, denn wir wollen ja nachher noch zur Jahreshauptversammlung von unserem Verein.    
           
       
           
    Ich muss doch mal nachsehen, ob Papi mir auch keine Beule in meinen Wagen gefahren hat, er ist nämlich ein wirklich liebevoller und umsichtiger Papi, aber leider nur ein sehr mittelmäßiger Autofahrer.

Deine Lisa

   
           
           
           
    02.02.2012      
           
    Liebes Tagebuch,

diese Tage war nun endlich mein Baily mit Schwiegermama mal wieder bei uns. Während allerdings mit meinem Schatz und mir wieder alles in bester Ordnung ist, kommt mir Schwiegermutti im Augenblick seltsam verändert vor!

   
           
       
           
    Zunächst dachte ich noch, sie ist wie immer. Mein Papi hatte nämlich unter Mühen und Schmerzen extra Capuccino mit Schoko für sie gekauft (Wichtig: unbedingt mit Schoko!). Der schmeckte ihr aber offenbar nicht (zuviel Schoko!), was Schwiegermama dann auch gleich lautstark kund tat.    
           
       
           
    Doch dann war ich sehr erstaunt über sie. Papi hatte extra ein paar frische Berliner zum Kaffee besorgt und eigentlich hatten wir alle damit gerechnet, dass Schwiegermama davon nichts anrührt, denn normalerweise knabbert sie ja höchstens mal auf einem kleinen Salatblatt herum, um ihre Figur zu schonen.    
           
       
           
    Doch was soll ich dir sagen: sie verdrückte gleich noch einen zweiten Berliner hinterher und dann erzählte sie uns sogar noch freudestrahlend, sie hätte bereits 2 Kilo zugenommen! Ein Umstand, der sie vor weinigen Wochen noch in die schiere Verzweifelung getrieben hätte!    
           
       
           
    Doch damit nicht genug! Kurz bevor wir dann zu unserem Rundgang durch den Wald starten wollten, entdeckte Schwiegermutti den Eimer mit Schokoladen-Waffeln, den Papi ebenfalls an dem Tage (auch unter Mühen und Schmerzen natürlich) gekauft hatte und Bailys Mama meinte, sie bräuchte wohl noch ein bisschen Wegzehrung!    
           
       
           
    Du kannst dir vorstellen, dass wir alle ziemlich irritiert waren, von Schwiegermamas plötzlichem Verhalten und wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich glatt behaupten, die futtert für zwei!

Deine Lisa

   
           
           
           
    01.02.2012      
           
    Liebes Tagebuch

immer wieder höre von den Zweibeinern die Beschwerde, dass sie Leute kennen, die sich sehr verändert haben und das nicht gerade zum Vorteil. Bisher dachte ich immer, so etwas gibt es bei uns Hunden glücklicherweise nicht, aber da habe ich mich wohl geirrt.

Ich denke da zum Beispiel an unseren Vereinssenior Simba. Seitdem er sich für den offiziellen Nachfolger von Johannes Heesters hält und nur noch mit diesem weißen Schal um den Hals herum läuft, ist er einfach unausstehlich geworden, dabei trifft er die Töne immer noch nicht, wenn er "Heut' geh ich ins Maxime" vor sich hinsingt.

   
           
       
           
    Aber auch meine Mops-Freundinnen Kimy und Annick haben sich sehr verändert. Sie schlafen jetzt nicht mehr in einem Hundekörbchen, so wie Arco und ich, sie haben jetzt ihr eigenes Chateau! Man beachte nur den Wassernapf aus echtem Sterling-Silber!    
           
       
           
    Ich habe Kimy neulich im „nosebook“ auf unserer Homepage zum Geburtstag gratuliert, aber es kam keine Antwort, nicht mal ein klitzekleines Dankeschön. Als ich sie dann kürzlich darauf ansprach, da antwortete sie ebenfalls nicht, stattdessen grinste sie nur hochnäsig.    
           
       
           
    Kimy und Annick sollen sich nur nichts einbilden, denn sie leben ja noch gar nicht sehr lange in einem so wohlsituierten und begüterten Haushalt. Sie haben schon ganz andere Zeiten durchgemacht und besonders von Annick weiß ich, dass sie in früheren Jahren auch absolut nichts anbrennen ließ, wenn du verstehst, was ich meine!    
           
       
           
    Ich werde sie wohl mal wieder an diese alten Zeiten erinnern müssen, um meine Freundinnen ein wenig auf den Teppich zurück zu holen und Annick soll bloß nicht mit der Ausrede kommen „ich war jung und brauchte das Geld“. Das zieht bei mir nämlich absolut nicht!

Deine Lisa

   
           
           
           
    31.01.2012      
           
    Liebes Tagebuch,

ich mache mir große Sorgen um die Zweibeiner und damit meine ich nicht etwa meine Papis oder unsere Vereinsmitglieder, ich meine die Zweibeiner im Allgemeinen. Seit Jahrtausenden begleiten wir Hunde nun schon die Entwicklung der Menschen, vom Neandertaler bis heute, aber nun scheint es langsam wieder bergab zu gehen mit ihnen.

Das fängt schon beim geistigen Entwicklungsstand an. Meine Schwiegermutter zum Beispiel ist eine junge Frau in den besten Jahren. Wenn ich aber sehe, wie vergesslich und zerstreut sie oft ist, dann kann man es mit der Angst bekommen. Ihre Handschuhe liegen übrigens auch schon seit Tagen hier bei uns rum!

   
           
       
           
    Aber auch die körperliche Entwicklung des Homo Sapiens nimmt eine erschreckende Form an. Ich habe mal versucht, den Körperbau eines modernen durchschnittlichen 17jährigen Zweibeiners nachzuzeichnen. Da kann doch einer sagen, was er will, da ist doch eine Rückentwicklung zum Affen einfach unverkennbar!    
           
       
           
    Ich bin nur froh, dass das bei uns Hunden genau umgekehrt ist. Wir befinden uns auf dem Höhepunkt der Evolution und wir werden immer intelligenter und immer schöner!    
           
       
           
    Dieses Foto zeigt übrigens nur das allerbeste Beispiel dafür, ich könnte dir aber noch viele Fotos von anderen Hunden aus unserem Verein zeigen. Dann würdest du sofort sehen, wie recht ich habe!

Deine Lisa

   
           
           
           
    30.01.2012      
           
    Liebes Tagebuch,

das war gestern mal wieder ein völlig normaler und stinklangweiliger Sonntag. Bei der Kälte konnte man nicht gerade viel unternehmen und daher ist auch absolut nichts Außergewöhnliches passiert!

Bei Tante Sabine stand wieder einmal die Frage an, was koche ich denn bloß am Sonntag, aber mit diesem Thema tun sich unsere Papis immer mindestens genauso schwer.

   
           
       
           
    Mein Baily-Schatz hat sich mal wieder das ganze Wochenende nicht bei uns blicken lassen, aber ich habe mir erzählen lassen, dass er im Augenblick wohl ziemlich am Rad dreht und halb Schneverdingen verrückt macht.    
           
       
           
    Papa Micha hat gestern zufällig irgend etwas über eine total simple, aber sehr effektive Freisprecheinrichtung für sein Handy im Internet gelesen und musste das dann natürlich auch sofort einmal ausprobieren.    
           
       
           
    Ich glaube, die Einzigen, die den Sonntag mal wieder halbwegs sinnvoll für sich genutzt haben, waren Papi und ich. Wir waren nämlich am frühen Nachmittag zusammen im Wald und Papi hat mir wieder ganz oft den Ball geworfen. Das macht uns beiden immer einen Riesenspaß!    
           
       
           
    Papi hat sich zwar bei der Glätte gleich zwei Mal auf die Nase gepackt, aber ihm konnte nicht viel passieren, denn ich habe ja gut auf ihn aufgepasst. Er meint zwar immer, er passt auf mich auf, wenn wir im Wald unterwegs sind, aber das weiß ja wohl inzwischen jeder, dass es in Wirklichkeit genau umgekehrt ist!

Deine Lisa

   
           
           
           
    29.01.2012      
           
    Liebes Tagebuch,

es wurde ja langsam mal Zeit und gestern habe ich nun endlich Nägel mit Köpfen gemacht: ich habe meinem Papi und Tante Gaby unmissverständlich erklärt, dass ich mich bei diesem Wetter strikt weigere, mich auf den kalten Boden zu legen. Ob ich dann im April durch die Begleithundeprüfung falle, oder nicht, ist mir dabei völlig egal!

   
           
       
           
    Nun ist es für das Prestige des Vereins sicher nicht gerade von Vorteil, wenn ausgerechnet seine Prinzessin durch die Prüfung rasselt und aus diesem Grunde hatte Tante Marion dann auch einen ziemlich verwegenen Einfall.    
           
       
           
    Allerdings dürfte es nicht so einfach werden, einen Hund zu finden, der wenigstens ein bisschen Ähnlichkeit mit mir hat, denn sonst fällt dieser kleine Schwindel ja sofort auf. Tante Simone machte dann einen interessanten Vorschlag.    
           
       
           
    Auch Tante Sabine erklärte sich spontan bereit, bei dieser Aktion mitzuhelfen und wenn sie am Tage der Prüfung wieder diese ulkige Mütze trägt, dann wird der Richter garantiert nichts von dem Manöver merken.    
           
       
           
    Ich finde es wirklich lieb, wie sich alle Gedanken um mich machen. Wenn unsere Vereinsmitglieder aber ganz sicher sein wollen, dass ich diese Prüfung bestehe, dann sollten sie am besten gleich noch ein Double für meinen Papi suchen, erst dann kann nämlich bestimmt nichts mehr schief gehen!

Deine Lisa

   
           
         
           
     
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